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Die Göltzschtalbrücke


Syratalviadukt

Elstertalbrücke
Goeltzschtalbrücke
Auf halber Strecke zwischen Mylau und Netzschkau zweigt von der Bundesstraße die Zufahrt zur Göltzschtalbrücke ab. Diese Eisenbahnbrücke überspannt mit ihren vier Bogenreihen das Göltzschtal in 78 m Höhe. Die 574 m lange Brücke ist die weltweit größte Ziegelbrücke und die weltweit größte steinerne Eisenbahnbrücke.

Am 25.6.2009 erhielt sie den Titel „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurkunst in Deutschland“. Die Bundesingenieurkammer verleiht diesen Titel erst seit 2007. Die Göltzschtalbrücke ist das zweite Bauwerk, das diesen Titel erhielt. Das erste Bauwerk war das Schiffshebewerk Niederfinow.

Die Göltzschtalbrücke hat einige Superlative aufzuweisen:
Länge574,19 m
Höhe von der Flusssohle bis zur Schienenlage78,31 m
Höhe vom tiefsten Punkt des Brückengrundesca. 92 m
Anzahl Öffnungen29
Anzahl Gewölbe98
Größte Gewölbespannweite30,87 m
Baukosten6599621,62 Mark;
entspricht ca. 70 Mio € (Stand 2005)
Anzahl Bauarbeiter (Maximum)1736
Anzahl Bauarbeiter (Durchschnitt) 770
Anzahl Unfälle mit ärztlicher Behandlung während des Baus 1302
tägliche Arbeitszeit 12 bis 13 Stunden
Anzahl Todesfälle unter den Bauarbeiternüber 30
Anzahl Ziegel (Stand 1851)
Die verwendeten Ziegel hatten eine
Größe von 27,7 * 13,6 * 6,5 cm.
26,021 Millionen
gesamtes Mauerwerk (Stand 1851)179960 m³
(Würfel, Kantenlänge 56,46 m)
davon
Ziegel95019 m³
(Würfel, Kantenlänge 45,63 m)
Quader64066 m³
(Würfel, Kantenlänge 40,01 m)
Bruchstein20875 m³
(Würfel, Kantenlänge 27,53 m)

Die sehr genaue Angabe zu den Baukosten habe ich auf einer alten Postkarte gefunden. Der Betrag von 6599621,62 Mark entspricht einer Kaufkraft von rund ca. 70 Mio € im Jahre 2005.

Die angegebene Anzahl Gewölbe beinhaltet nicht die 76 Gewölbe, die quer zur Richtung der Brücke liegen. Meine Versuche, anhand von Fotos und Zeichnungen die Anzahl Gewölbe nachzuvollziehen, sind sämtlich fehlgeschlagen.

Das bevorzugte Baumaterial für Steinbrücken sind Natursteinquader. Ziegel werden nur verwendet, wenn keine geeigneten Bruchsteine zur Verfügung stehen. Bei der Göltzschtalbrücke hat man sich möglicherweise aus anderen Gründen für Ziegel entschieden: Die Brücke sollte möglichst rasch gebaut werden, Ziegel sind dauerhaft und es gab geeigneten Lehm- bzw. Tonboden in rund 30 km Umkreis.

GoeltzschtalbrückeGoeltzschtalbrücke

Die Göltzschtalbrücke besteht zu über 50% aus Ziegel!

Aus Granit hergestellt wurden:

  • die Pfeilersockel,
  • die Grundsteine der Bogen,
  • die Gewölbe der obersten Bogenreihe und
  • die Fahrbahnplatten.
Die Fahrbahnplatten wurden 1930 durch Stahlbetonplatten ersetzt.

Das überwiegend verwendete Baumaterial sind jedoch Ziegel.

Man kann sich vorstellen, dass auch das Baugerüst einen gewaltigen Umfang hatte. Für das Gerüst und andere Bauzwecke wurden fast 23000 Baumstämme benötigt.

Die offizielle Grundsteinlegung fand am 31.Mai 1846 statt; der tatsächliche Baubeginn war Anfang 1846. Am 15.Juli 1851 wurde die Brücke ihrer Bestimmung übergeben: Die Bahnstrecke Leipzig - Hof wurde eröffnet.

Göltzschtalbrücke, Gedenktafel

Der Planung der Brücke war eine Ausschreibung vorangegangen - sie erbrachte 81 Entwürfe. Jedoch keiner der Entwürfe genügte den Anforderungen der Bahngesellschaft. Insbesondere hat es wohl an dem fundierten Nachweis der Tragfähigkeit dieser Entwürfe gemangelt. Die Prüfungskommission arbeitete deshalb einen eigenen Entwurf aus. Eine Gedenktafel an der Brücke nennt-

  • Entwurf und Statik: Prof. Johann Andreas Schubert (1808-1870)
  • Ausführungsplanung und Bauleitung: Oberingenieur Robert Wilke (1804-1889)
  • Bauleiter: Ingenieur Ferdinand Dost (1810-1888)
  • Mörtelentwicklung: Apotheker und Chemiker Heinrich Carl
Die wichtigste Person beim Bau der Brücke war der Oberingenieur Robert Wilke. 1846 zeigten Probebohrungen, dass der weiche Boden in der Talmitte keinen Brückenpfeiler tragen würde. Der Entwurf wurde dahingehen geändert, dass ein Pfeiler in der Talmitte ausgelassen wurde. Dadurch wurde das Problem mit dem weichen Boden umgangen und die Brücke erhielt ihre charakteristischen zwei großen Gewölbe. Zur gleichen Zeit musste die Bahngesellschaft angesichts eines drohenden Bankrotts das Projekt aufgeben. Per 1.April 1847 ging die projektierte Bahnlinie an den Staat über. Prof. Johann Andreas Schubert verließ das Projekt am 25.August 1847

Die Elstertalbrücke wurde kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs von deutschen Soldaten gesprengt. Der Göltzschtalbrücke blieb dies Schicksal erspart. Der Kampfkommandant war auf seinem Weg zur Brücke mit dem Motorrad gegen einen Baum gefahren. Dabei hatte er sich den Kiefer gebrochen, so dass er kaum sprechen konnte. Die Ärzte überzeugten ihn davon, dass eine sofortige Operation unumgänglich sei. Durch nachhaltige Verabreichung schwerer Betäubungsmittel wurde sichergestellt, dass er vor dem Eintreffen der amerikanischen Truppen die Brückensprengung nicht in die Wege leiten konnte.

Für die Gründe des Ausscheidens von Prof. Johann Andreas Schubert aus dem Projekt werden unterschiedliche Gründe genannt. 1847 hatte er einen Beitrag zum Entwurf und zur statischen Berechnung der Brücke geleistet. Damals entwickelte sich die gescheiterte Revolution von 1848. Schubert unterstützte mit einer offenen Erklärung an die deutsche Nationalversammlung in Frankfurt die geforderte Demokratie. Dies sahen die Regierungen von Bayern und Sachsen gar nicht gerne. Seine Beiträge zum Bau der Göltzschtalbrücke wurden fortan totgeschwiegen und sein Name taucht nicht auf den vier großen Gedenktafeln neben dem Mittelbogen an der Brücke auf. Deren Texte lauten vielmehr:
  • GEGRÜNDET 1846.
  • VOLLENDET 1851.
  • OB. INGEN. R. Wilke.
  • INGENIEUR F. DOST.
Im folgenden Bild ist oben am schmaleren Bogen eine der Gedenktafeln zu erahnen. Ohne diese politischen Differenzen hätten die vier Gedenktafeln vielleicht diese Texte getragen:
  • ERRICHTET 1846 - 1851.
  • OB. INGEN. R. Wilke.
  • INGENIEUR F. DOST.
  • PROF. J. A. SCHUBERT.
Göltzschtalbrücke
Als Teil der Sachsenmagistrale wurde die alte Göltzschtalbrücke 1997 für Geschwindigkeiten bis 160 km/h ausgebaut. Der moderne Dieseltriebwagenzug erreicht diese Geschwindigkeit nicht!

Weitere Informationen: Fremdenverkehrsverein nördliches Vogtland. Ein kleiner Tipp: im April 2006 war der englische Text auf diese Website über die Brücke ausführlicher und genauer als der deutsche Text.

Neben dem Fluss unter der Brücke befindet sich im ehemaligen Mühlengebäude ein kleines, aber interessantes, Museum zum Thema. Hier kann man auch Literatur und Nachdrucke historischer Postkarten erwerben. Das Parken hier war - im Gegensatz zum großen Parkplatz beim Fesselballon - kostenlos (Stand Juni 2006. Der Ballonbetrieb ist seit Mitte August 2007 eingestellt.)

Das Burgmuseum in Mylau beinhaltet einige Informationen zur Göltzschtalbrücke. Die Brücke ist jedoch nicht Hauptthema des Burgmuseums.

Wenn man gut zu Fuß ist und die Öffnungszeiten der Restauration auf dem Kuhberg passen, bietet sich eine Wanderung dorthin an. Die Weglänge beträgt 5 km pro Richtung. Auf dem Kuhberg befinden sich Restaurant, Imbiss, Aussichtsturm und Lehmann-Eisenbahnen. In der Modellbahnlandschaft steht die unten abgebildete Modelleisenbahnbrücke!

LGB-Kuhberg, Göltschtalbrücke
LGB-Kuhberg, Teilansicht
Ein Drittel der LGB-Anlage auf dem Kuhberg (Juni 2006), vom Aussichtsturm aus fotografiert. Der Jägerzaun und die weißen Sitzbänke vermitteln einen Eindruck von der Größe der Modellanlagen.

Seite zuletzt geändert am 2.11.2009